Im letzten Teil meiner “Die besten Spieler der NBA”-Serie geht es um die aktuelle Top-5 der Low-Post-Spieler. Eine Einteilung der Spieler in diese Kategorie erfolgte, wenn diese hauptsächlich direkt unter dem Korb zum Einsatz kommen. Hier nun mein Ranking:
Die besten Low-Post-Spieler der NBA:
1. Tim Duncan
Mittlerweile 32 Jahre alt ist der 2,13 m große Ex-MVP noch immer ein Muster an Beständigkeit. Seitdem er kurz nach der Jahrtausendwende das Zepter im Low-Post von Shaquille O’Neal übernahm, hat er es bis heute nicht mehr aus der Hand gegeben. Tim Duncan liefert unter dem Korb einfach das komplette Paket. Seine Post-Moves sind ausgezeichnet, seine Beinarbeit jedoch noch besser. Gepaart wird das ganze noch mit einem ungewöhnlich gutem Bank-Shot, seinem Markenzeichen. Doch es ist nicht nur das effiziente und variable Scoring, das Duncan zum besten Low-Post-Spieler der NBA macht. Vielmehr ist es die Art und Weise, wie er aus dem Post heraus ein Spiel kontrollieren und dirigieren kann. Dabei zeigt er außergewöhnliche Übersicht und kombiniert diese mit weit überdurchschnittlichen Pass-Fähigkeiten. All das macht ihn zum idealen Big Man für eine effiziente Inside-Out-Offense im Halbfeld, wie sie die San Antonio Spurs seit Jahren meisterhaft praktizieren. Tim Duncans imposantes Allround-Game in der Offensive wird durch seine extrem starke Defensive und seine elitären Rebound-Leistungen abgerundet. Gerade defensiv liefert Duncan hervorragende Arbeit ab, die im Bereich der Low-Post-Spieler ihresgleichen sucht. Egal ob als Post-Defender, Weak-Side-Shotblocker oder als Anker der Teamdefense, der ehemalige Twin-Tower ist in allen Belangen erstklassig. Die einzige Frage, die übrig bleibt, ist, wie lange er dieses Niveau der Extraklasse noch halten kann.
2. Yao Ming
In Sachen offensive Dominanz unter dem Korb kann Yao Ming Tim Duncan sogar in den Schatten stellen. Kein Spieler der NBA ist im Low-Post schwerer zu stoppen als der 2,26 m große Chinese, der dort so variabel und effektiv punkten kann wie kein anderer Spieler der Liga. Während vergleichbar dominante Low-Post-Spieler wie der erwähnte Duncan, Shaquille O’Neal oder Dwight Howard wenigstens durch Fouls etwas zu kontrollieren sind, weil sie ihre Freiwürfe nicht ausreichend treffsicher verwandeln können, ist das beim Star-Center der Houston Rockets nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, der 28-Jährige ist sogar so gut von der Linie (um die 85 %), dass er derjenige ist, der die Team-Freiwürfe der Rockets absolvieren darf. Ohne konstantes Doppeln ist er somit nur von wenigen Teams effektiv zu verteidigen. Neben seinen überragenden Scoring-Fähigkeiten überzeugt der Fahnenträger Chinas bei den Olympischen Spielen in Beijing vor allem durch ein gutes Auge, viel Spielverständnis und überdurchschnittliche Pass-Fähigkeiten. In der Defensive ist das Bild zweigeteilt. Einerseits ist der Houston Rocket die #2 dieser Top-5 in Sachen Post-Defense und mit seinen 2,26 m und 140 Kg eine Präsenz unter dem Korb, die ligaweit einzigartig ist. Allein damit verändert er schon zahlreiche Würfe, die in keiner Statistik zu finden sind. Andererseits fehlt dem Chinesen die nötige Mobilität, um Gegenspieler auch außerhalb der Zone effektiv verteidigen zu können. Dies wirkt sich besonders negativ auf die Pick-and-Roll- und Help-Defense aus. Dieser Mangel an Agilität sorgt letztendlich auch dafür, dass Yao insgesamt nicht an die #1, Tim Duncan, heran reicht.
3. Dwight Howard
Bekommt Dwight Howard direkt unter dem Korb den Ball in die Hände ist das Resultat klar: entweder folgt ein Abschluss per Dunk, oder aber ein Foul des Gegners. In dieser Situation ist der Athletik-Freak durch niemanden mehr zu stoppen. Dadurch hat der 22-Jährige schon so manches Team dominiert. Problematisch wird es allerdings für den besten Nachwuchs-Center der NBA, wenn es seinem Gegenspieler gelingt, ihn aus seiner Comfort Zone unter dem Korb heraus zu drängen, oder er einen seiner regelmäßig auftretenden schwarzen Tage von der Freiwurflinie hat. Dann macht sich deutlich bemerkbar, dass Howard spielerisch und technisch längst noch nicht auf dem Offensiv-Niveau ist, das der Riesen-Hype vermuten lassen würde. Fehlende Low-Post-Moves, eine schwache Freiwurfquote und durchschnittliches Passpiel und Spielverständnis stehen seiner Dominanz direkt unter dem Korb als Negativpunkte gegenüber. Auch defensiv muss ich die #12 der Magic als überbewertet titulieren. Seine Post-Defense ist noch nicht auf dem Niveau von Tim Duncan oder Yao Ming und für einen Mann seiner Größe und Athletik sind 1.8 BPG als Karriereschnitt eigentlich auch viel zu niedrig. Bleibt der stärkste Punkt in Howards Spiel: das Rebounding. In diesem Bereich gehört der Ausnahmeathlet bereits jetzt zum besten, was die NBA in den letzten Jahren zu bieten hatte. Aus diesem Grund ist der Orlando Magic auch an Tagen, an denen es offensiv eher weniger rund läuft, stets ein Faktor. Um jedoch auf das Niveau der beiden vor ihm platzierten Spieler zu gelangen muss er sich noch effektive Post-Moves erarbeiten, um diesbezüglich variabler zu werden, und in der Defense zulegen.
4. Al Jefferson
Neben Dwight Howard gehört vor allem Al Jefferson zu den vielversprechendsten jungen Low-Post-Spielern der Liga. Der Minnesota Timberwolf ist offensiv bereits weiter als Howard. Zwar reicht er bei der Dominanz direkt unter dem Korb nicht ganz an seinen Kollegen heran, dafür verfügt der 23-Jährige über das ausgereiftere, variablere Low-Post-Spiel und den wesentlich besseren Wurf. Offensiv ist Jefferson damit an Position 3 in meiner Top-5 einzuordnen. Ein anderes Bild zeigt sich allerdings in der Defensive. Hier kann der neue Franchise Player der Timberwolves im Vergleich zu seiner direkten Konkurrenz vorsichtig ausgedrückt nicht gerade punkten. Weder als Shot-Blocker noch als Post-Defender kann die Nachwuchshoffnung wirklich herausragen. Seine guten Offensivleistungen und Reboundwerte reichen damit nur für Platz 4 dieser Top-5.
5. Chris Kaman
Mit Chris Kaman schafft es ein Spieler in meine Top-5, der eher nicht so im Rampenlicht steht. Dabei ist der 26-Jährige ein wirklich guter Low-Post-Spieler. In der Offensive überzeugt der L.A. Clipper durch einen sauberen Mitteldistanzwurf und einige schöne Low-Post-Bewegungen. Mangelnde Athletik kann er durch gute Fußarbeit ausgleichen. Ein 20-Punkte-Spieler bei einem guten Team wird er allerdings trotzdem eher nicht werden. Im Bereich Rebounding war der deutsche Olympia-Teilnehmer bisher als guter aber nicht unbedingt erstklassiger Spieler bekannt. Insofern bleibt es abzuwarten, ob er seine Reboundwerte aus der letzten Saison dauerhaft erreichen kann. Dasselbe trifft in der Defensive auf seine Werte als Shot-Blocker zu. Ansonsten ist die Defense unspektakulär aber solide. Festzuhalten bleibt, dass der Abstand zu den vor ihm platzierten Spielern doch recht groß ist. In Sachen Talent hätten beispielsweise Andrew Bynum oder Greg Oden sicherlich mehr zu bieten, allerdings konnten beide Nachwuchshoffnungen bisher verletzungsbedingt noch keine konstanten Leistungen abliefern, weshalb Chris Kaman derzeit noch meine #5 ist.
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