Houston Rockets Season Preview 2008/09

Die neue NBA-Saison ist nur noch knapp eine Woche entfernt. Es wird also langsam Zeit für das ausführlichste Season Preview, das ihr in deutscher Sprache zu Gesicht bekommen werdet.

Ein paar Worte zur abgelaufenen Saison:

Die vergangene Saison war für die Rockets äußerst turbolent. Höhen, Tiefen, Euphorie, Spannung, Rekorde und Enttäuschung - alles war dabei.

Der Saisonbeginn 2007/08 war vor allem dadurch gekennzeichnet, dass dem Team unter dem neuen Head Coach Rick Adelman die Identität fehlte. Diverse Spieler waren neu an Bord, eine klare Rollenverteilung und Teamstruktur musste sich erst herausbilden und das Team zeigte nicht die Intensität, die man aus den letzten Jahren unter Jeff Van Gundy gewöhnt war. Dazu konnten die Spieler die abgewandelte Princeton Offense von Coach Adelman nicht so effektiv wie erwartet umsetzen. Die Folge: eine 15-17 Bilanz Anfang Januar. Zu diesem Zeitpunkt schien es, als ob Coach Adelman die Kontrolle über sein Team bereits so früh in der Saison verloren hätte.

Doch Adelman gilt nicht umsonst als einer der besten Coaches der NBA.  Er analysierte die Schwachstellen seines Teams, stellte einiges um und schaffte den Turnaround. Als Hauptgründe dafür sind wohl die Rückkehr zu einer einfacher strukturierten Offensive und die Optimierung seiner Rotation zu nennen. Die Rockets fanden dadurch endlich ihre Identität und ihren Rhythmus. Ende Februar lagen sie nach überstandenen kleineren Verletzungssorgen bei Tracy McGrady und einem Trade, der Veteran Bobby Jackson für die überflüssig gewordenen Bonzi Wells und Mike James nach Houston brachte, bereits wieder bei 36 Siegen und 20 Niederlagen. Die Texaner befanden sich gerade auf einer bereits 12 Spiele andauernden Siegesserie, als plötzlich die Meldung über Yao Mings Fußverletzung, die das sichere Saisonende bedeuten sollte, einschlug wie eine Bombe. Jegliche Aussichten auf einen erfolgreichen Saisonabschluss schienen vernichtet. Nicht Wenige zweifelten sogar, ob die Rockets nun überhaupt die Playoffs erreichen würden.

Doch das Team steckte die Hiobsbotschaft inmitten der durch die 12-Spiele-Siegesserie verursachten Euphorie viel besser weg, als irgend jemand vermuten konnte. Die besagte Serie an gewonnenen Spielen wurde bis auf historische 22 Spiele ausgebaut. Erst gegen den späteren Champion, die Boston Celtics, verloren die Rockets das erste Mal in 23 Spielen. Doch auch nach dieser unfassbaren Siegesserie knickte das von Tracy McGrady angeführte Team nicht ein und beendete die reguläre Saison mit einer unter den gegebenen Voraussetzungen sensationellen Bilanz von 55 Siegen bei 27 Niederlagen - Platz 4 im Westen!

In den Playoffs ging es dann in der ersten Runde erneut gegen den Gegner, gegen den man in der Vorsaison schmerzlich und denkbar knapp in 7 spannenden Spielen den Kürzeren gezogen hatte: die Utah Jazz. Ohne Yao Ming und mit den angeschlagenen Tracy McGrady, Rafer Alston, Shane Battier und Carl Landry traute fast niemand den Rockets ein Weiterkommen zu. Doch die Texaner überraschten abermals. Tracy McGrady spielte wie in den Playoffs gewohnt groß auf und Battier und Landry vergaßen ihre Verletzungen für den Moment. Die Rockets hielten die Serie lange eng und spannend. Am Ende war der endgültige Ausfall von Point Guard Rafer Alston jedoch zu viel und die Rockets verloren die Serie nach 6 hart umkämpften Spielen.

Auch wenn die Erwartungen zu Saisonbeginn hoch waren, so kann man unter den gegebenen Umständen und aufgrund der gezeigten Mannschaftsleistung doch nicht davon sprechen, dass die Saison 2007/08 eine Enttäuschung war.

Das Geschehen in der Offseason:

Nachdem im Laufe der letzten Saison nochmals deutlich wurde, dass das Star-Duo der Rockets, Yao Ming und Tracy McGrady, mehr Entlastung braucht, war die Erwartungshaltung der Fans was die Offseason-Veränderungen bei den Raketen angeht ziemlich hoch.

Bevor es jedoch an die Free-Agent-Verpflichtungen gehen konnte, stand erst einmal der Draft an. Hier konnte General Manager Daryl Morey wieder einmal sein Können beweisen. Über einen ziemlich geschickten Move am Draft-Abend konnte er den Rockets einen zusätzlichen niedrigen 2nd-Round-Pick bescheren. Morey wusste, dass die Portland Trail Blazers, die erst nach den Rockets einen Spieler wählen durften, ziemlich scharf auf den Franzosen Nicolas Batum waren. Dieses Wissen nutze er, schnappte den Blazers Batum vor der Nase weg und bot ihn für den Wunschspieler der Rockets, Forward Donte Greene, plus einen zusätzlichen 2nd-Round-Pick zum Trade an. Der Trade ging durch und mit dem zusätzlichen Draft-Pick wurde Defensiv-Talent Joey Dorsey verpflichtet. Gleichzeitig gelang Morey damit die Revanche an Blazers-GM Kevin Pritchard. Dieser hatte 2006 den Rockets ihren Wunschspieler im damaligen Draft, Brandon Roy, weggeschnappt, indem er am Draft-Abend den 6. Pick von den Minnesota Timberwolves ertradete, nachdem er Wind davon bekommen hatte, dass die Rockets Roy um jeden Preis verpflichten wollten.

Neben dem zusätzlich ertradeten 2nd-Round-Pick (#33) hatten die Rockets bereits einen eigenen 2nd-Round-Pick zur Verfügung (#54). Dieser wurde zur Auswahl von Oregons Shooter Maarty Leunen genutzt. Im Gegensatz zu Greene und Dorsey war Leunen jedoch von Anfang an nicht in den Planungen für die kommende Saison vorgesehen. Stattdessen soll der 2,06 m große Small Forward erst einmal seine Sporen in Europa verdienen.

Nach dem Draft wurde es ziemlich schnell ruhig um die Rockets. Aufgrund der ungeklärten Vertragssituation mit Überraschungs-Rookie Carl Landry waren General Manager Daryl Morey die Hände gebunden. Landry war ein Restricted Free Agent und die Rockets befanden sich über dem Salary Cap. Aus diesem Grund hätten die Texaner für eine etwas höher dotierte Vertragsverlängerung ihre Mid-Level Exception opfern müssen. Um nicht jegliche Flexibilität bei der Verpflichtung von Free Agents zu verlieren und um Landry nicht über Marktwert bezahlen zu müssen lehnten die Rockets-Verantwortlichen das ab. Da man in Sachen Gehaltsvorstellung ziemlich weit auseinander lag, verliefen die Verhandlungen mit Landry eher schleppend. Beide Seiten blieben hart und so war Scharfschütze Brent Barry, der Anfang Juli für die Bi-Annual Exception unterschrieb, lange Zeit die einzige Neuverpflichtung.

Während sich der Free-Agent-Markt innerhalb kürzester Zeit immer mehr lichtete wurden die Fans langsam ungeduldig. Doch Morey harrte aus, wohl wissend, dass er noch einen weiteren geheimen Trumpf in der Hinterhand hatte. Ende Juli platze dann die Bombe: die Rockets waren an Enfant Terrible Ron Artest dran. Die Sacramento Kings hatten genug von Ron-Ron und suchten aus Angst, ihn in der nächsten Saison ohne Gegenleistung als Free Agent zu verlieren, einen Abnehmer für das Defensiv-Ass. Die Rockets zeigten abermals Interesse, standen sie doch bereits während der letzten Saison in Verhandlungen mit den Kaliforniern. Damals wollten die Rockets Point-Guard-Talent Aaron Brooks nicht abgeben und die Kings hatten nicht mit letzter Konsequenz einen Trade-Partner gesucht. Nachdem das Vertrauensverhältnis in Sachen Vertragsverlängerung zwischen Artest und den Kings-Verantwortlichen nach der Saison aber beidseitig zerstört wurde, sah die Situation nun aber etwas anders aus. Die Kings machten ernst und die Rockets boten ihnen ein attraktives Spieler-Paket. Basis des Trades sollte der auslaufende Vertrag von Kings-Publikumsliebling Bobby Jackson und das frisch gedraftete Talent Donte Greene sein. Zusätzlich wollten die Kalifornier den nächsten Erstrunden-Draft-Pick der Rockets. Da der Trade für beide Seiten von Vorteil war, wurde man sich schnell einig. Die Rockets bekamen Artest und konnten damit einen weiteren Punkt von der To-Do-Liste des Sommers streichen.

Verständlicherweise war nach diesem Sensations-Coup für die Fans die Luft aus der Offseason erst einmal ein wenig heraus. Daryl Moreys Arbeit jedoch war selbstverständlich noch nicht beendet. Noch immer gab es keine Neuigkeiten bezüglich der Vertragsverlängerung von Forward Carl Landry. Im Gegenteil, die Fronten schienen verhärtet wie nie zuvor. Die Rockets bestanden öffentlich auf eine Knie-Skopierung, da es ihnen als zu risikoreich erschien, Landry bei seiner Verletzungsgeschichte ohne medizinische Absicherung einen langfristigen, hochdotierten Vertrag zu unterbreiten. Landrys Lager wiederum erklärte seinen Schützling für absolut gesund und bezichtigte die Rockets-Verantwortlichen des öffentlichen Verunsicherns potenziell interessierter Teams. Letztendlich blieb größeres Interesse anderer Teams nicht zuletzt dadurch jedoch (erstaunlicherweise) aus. Als es schon danach aussah, dass sich die Verhandlungen bis in die Preseason hinziehen könnten, unterbreiteten die Charlotte Bobcats Landry urplötzlich ein relativ moderates Vertragsangebot (9 Millionen $ für 3 Jahre). Aufgrund fehlender Alternativen unterzeichnete dieser notgedrungen den Vertrag der Bobcats und die Rockets hatten nach Liga-Regeln 14 Tage, um zu entscheiden, ob sie mit dem Angebot gleichziehen wollen. Es dauerte nur wenige Stunden bis Rockets-GM Daryl Morey vor versammelter Presse verkündete, dass man mit dem Angebot der Bobcats mitgehen und Landry halten werde.

Damit war der Roster für die kommende Saison fast komplett. Einzig Center-Oldie Dikembe Mutombo hatte noch keinen neuen Vertrag erhalten. Mutombo, der lange Zeit davon ausging, dass die Saison 2007/08 seine letzte sein würde, entschied sich während der Offseason dann doch dafür, eventuell noch eine weitere Saison dranzuhängen, wenn er gebraucht würde. Da die Rockets allerdings bereits im Luxury-Tax-Bereich sind konnte man sich dennoch noch nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Hintergrund: der Center-Opa würde gerne mehr verdienen als das Veteranen-Minimum und die Rockets wollen erst einmal sehen, wo sie mit ihrem neuen Roster stehen. GM Morey kündigte aber bereits an, dass man im Laufe der Saison definitiv noch einen weiteren echten Big Man verpflichten wolle und dass Mutombo dabei ganz oben auf der Liste stünde.

Aktuell noch im Roster stehen Forward Mike Harris, Combo-Guard DJ Strawberry und Shooting Guard Von Wafer. Alle drei haben keine garantierten Verträge und die Rockets haben bereits bestätigt, dass höchstens einer von ihnen zum Saisonauftakt noch im Team stehen wird (UPDATE: Inzwischen wurden Harris und Strawberry entlassen, was bedeutet, dass Von Wafer den Sprung ins Team geschafft hat.).

Eine Analyse des Rosters für die kommende Saison:

Point Guard: Als Starter gesetzt bleibt weiterhin Rafer Alston. Im Gegensatz zu den letzten Jahren wird in der kommenden Saison weit weniger Druck auf Skip to my Lou lasten. Die Tage in denen der 32-Jährige die dritte Scoring-Option der Rockets geben musste, sind nun hoffentlich Geschichte, denn für diese Rolle ist die Streetball-Legende einfach zu ineffizient und unkonstant. In der neuen Saison kann sich Alston nach überstandener Knöchel-OP nun mehr auf seine echten Stärken konzentrieren: schneller und sicherer Ballvortrag, gute Spielübersicht und solide Defense. Des Weiteren wird er in der Offensive auch weiterhin als Spot-up Shooter sein Können unter Beweis stellen müssen. Man kann jedoch mittlerweile davon ausgehen, dass er das ganz passabel meistern wird.

Was Rockets-GM Daryl Morey eher Sorgen bereiten dürfte ist die Position des Backup Point Guards. Vorjahres-Rookie Aaron Brooks ist den Beweis, dass er zum Vollzeit-Backup bereits geeignet ist, leider noch immer schuldig geblieben. Bisher standen diesbezüglich große Fragezeichen hinter seiner Wurfkonstanz, seinen Point-Guard-Fähigkeiten und seiner Defense. Er präsentierte sich in diesen Punkten zwar deutlich verbessert in Summer League und Preseason, aber es bleibt abzuwarten, wie der 1,80-m-Mann sich in der regulären Saison macht.

Ansonsten sieht es hinter Alston und Brooks auf der Eins relativ dünn aus. Steve Francis ist nach langer Verletzungspause noch nicht wieder fit und es bleibt nach wie vor unklar, ob er überhaupt wieder eine Rolle im Team spielen können wird. Bleiben der eindimensionale Shooter Luther Head, dessen Point-Guard-Fähigkeiten zu den schlechtesten der Liga gehören dürften, und Oldie Brent Barry. Barry kann als Point Guard aushelfen und hat sich diesbezüglich in der Preseason auch exzellent präsentiert. Die Frage ist jedoch, wer in der Defense dann den Point Guard des Gegners verteidigen soll und ob der Körper des fast 37 Jahre alten Veteranen dauerhaft 15 MPG auf der Eins verkraften könnte.

Als vielversprechend hat sich in der Preseason allerdings die Kombination von Brooks und Barry im Backcourt herauskristallisiert. Brooks kann so mit seiner unschlagbaren Schnelligkeit eher den Part des Scorers übernehmen, der ihm sowieso viel besser liegt. Barry hingegen kann mit seiner Erfahrung, seiner Übersicht und seinen exzellenten Passfähigkeiten Brooks beim Spielaufbau entlasten oder aber die von Brooks per Drive and Dish kreierten offenen Dreier verwerten. Defensiv macht diese Combo natürlich niemandem Angst und so ist sie im Zweifelsfall wohl eher hauptsächlich für eine offensiv-orientierte Small-Ball-Formation ohne Yao Ming geeignet.

Im Vergleich zu vielen anderen Top-Teams bleibt die Point-Guard-Position deshalb ein echter Schwachpunkt der Rockets.

Shooting Guard: Ob Tracy McGrady bis zum Saisonstart noch zu hundertprozentiger Form findet, ist nach Knie- und Schulteroperationen im Sommer fraglich. Im Normalfall sollte T-Mac jedoch trotzdem binnen weniger Spiele seine Saisonform finden. Nach wie vor ist er der wichtigste Spieler der Rockets. In absoluter Topform kann er es mit jedem anderen Swingmen der NBA aufnehmen. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Saison besteht deshalb darin, McGradys Körper besser gegen Verletzungen zu schützen. Durch die Verpflichtung von Ron Artest lastet in der kommenden Saison weit weniger Druck auf seinen Schultern. Vor allem im Halbfeld gibt es nun endlich eine echte dritte Option, die viele der Aufgaben, die die #1 der Rockets in den vergangenen Spielzeiten fast ausschließlich alleine übernehmen musste, ebenfalls übernehmen kann. Damit erscheint eine Verringerung der Spielzeit nun im Bereich des Möglichen. Das allein sollte schon einen positiven Effekt auf die Verletzungsprobleme der Rockets haben.

Neben McGrady, dessen Spielzeit sich in der kommenden Saison eher in Richtung 33 - 35 MPG bewegen sollte, werden wohl vor allem Brent Barry und Ron Artest Backup-Minuten als Shooting Guard sehen. Beide Spieler sind auf diversen Positionen einsetzbar, so dass man noch nicht zu 100 % sagen kann, wer hier die meisten Spielanteile bekommt.

Mit Luther Head wartet ein Distanzwurfspezialist im Körper eines Point Guards auf Minuten, die aufgrund von Verletzungen oder bestimmten Matchups verfügbar werden. Für die Rockets-Offensive (… und meine Nerven!) ist es ein Segen, dass die Einsatzzeit des Combo-Guards jedoch limitiert bleiben dürfte.

Von Wafer, der über eine Einladung zum Trainingscamp den Sprung ins Team schaffte, ist ein junger, vielseitiger Spieler. Als Notnagel für den Fall weiterer Verletzungen dürfte er aber erst einmal keine größere Rolle spielen.

Small Forward: Eigentlich plante Head Coach Adelman zumindest zum Beginn der neuen Saison weiter auf die etablierte und sehr erfolgreiche Startformation aus dem letzten Jahr zu setzen. Das hätte bedeutet, dass Shane Battier als Small Forward ins Spiel gestartet wäre, während Neuzugang Ron Artest als 6th Man die Bank in die Schlacht geführt hätte. Da sich Battier allerdings bei der Reha seines operierten Knöchels eine Entzündung des selbigen zugezogen hatte und die komplette Preseason aussetzen musste, dürfte nun Artest den Starter-Posten sicher haben. In der Preseason konnte man bereits erkennen, dass der Ex-King keine größeren Probleme mit der fordernden Rockets-Offense hat. Im Gegenteil, diverse Mitspieler äußerten, wie sehr sie doch überrascht seien, dass Artest so mannschaftsdienlich spiele. Man kann also bereits jetzt davon ausgehen, dass die #96 sich sehr gut ins Team integriert.

Fraglich ist hingegen noch, wann Backup Shane Battier wieder dabei sein kann. Wenn man seinen Worten Glauben schenken darf wird das in Kürze der Fall sein. Da er aber erst wieder in Spielform kommen muss bleibt die Backup-Situation ein wenig unklar. Tracy McGrady und Brent Barry werden deshalb wohl auch ein paar Spielanteile auf der Drei sehen.

Spätestens wenn Battier wieder in Form ist wird sich Coach Adelman allerdings die Frage stellen müssen, ob er diesen wieder zum Starter macht. Im Sinne der Teamchemie und der offensiven Ausgeglichenheit wäre das eine sinnvolle Maßnahme. Ich persönlich könnte mir Ron Artest in einer Rolle, wie sie Manu Ginobili letzte Saison bei den San Antonio Spurs spielte, sehr gut vorstellen. Wie auch immer sich Adelman entscheiden wird, sicher ist, dass die Rockets nun zu jedem Zeitpunkt des Spiels einen erstklassigen Perimeter-Scorer in Kombination mit einem offensiv starken Front-Court-Spieler auflaufen lassen können.

Power Forward: Als Luis Scola letzte Saison zum Starter gemacht wurde und Carl Landry seine ersten regelmäßigen Minuten als Backup bekam ging es mit den Rockets steil bergauf. Es gibt deshalb keinen Grund, etwas an der Power-Forward-Rotation zu ändern. Der Argentinier Scola hat nun seine erste NBA-Saison auf dem Buckel und kann von sich behaupten, dass er sich an die Spielweise der besten Liga der Welt gewöhnt hat. Man kann deshalb sicherlich noch auf eine kleine Leistungssteigerung im Vergleich zur letzten Saison hoffen.

Während Scola im Sommer an den Olympischen Spielen teilnehmen konnte, hat Ex-Rookie Carl Landry den Sommer dazu genutzt, um hart an sich zu arbeiten. So konnte er einige Pfund abnehmen und seine Knieverletzung komplett auskurieren. Die Resultate konnte man bereits in der Preseason bewundern. Landry war klar der beste Big Man der Rockets und präsentierte sich so dynamisch und athletisch wie eh und je. Besonders beeindruckt war ich allerdings von seinem butterweichen Mitteldistanzwurf und seinen Verbesserungen in Sachen Defense. Der 25-Jährige hat das Potenzial dazu, eine ähnliche Karriere wie New Orleans’ David West hinzulegen.

Dritter im Bunde der Hustle-Gang der Rockets ist Chuck Hayes. Hayes ist trotz seiner Größe von lediglich 1,98 m der beste Post-Verteidiger der Rockets und ein exzellenter Rebounder. Die zusätzlichen Ballbesitze, die der Chuck Waggon durch seinen unbändigen Kampfeswillen herausholt, sind absolut Gold wert. Leider fehlt dem 25-Jährigen das Talent in der Offensive, um konstante Spielzeit zu sehen. Für eine Rolle als Energizer, der für 10 - 15 Minuten ins Spiel kommt, um Defense zu spielen und hart zu arbeiten, könnte ich mir allerdings keinen besseren Spieler vorstellen.

Rookie und Athletik-Freak Joey Dorsey fehlt es noch an Spielverständnis und Routine. Aus diesem Grund wird er nur gelegentlich in der Garbage Time Einsatzzeit sehen.

Center: Yao Ming ist wieder gesund und kam so leicht wie seit seiner Rookie-Saison nicht mehr ins Trainingslager. Beides sind gute Nachrichten für die Rockets, denn jegliche Titelambitionen stehen in direkter Beziehung zur Gesundheit des Chinesen, über dessen spielerische Leistungsfähigkeit man nicht mehr groß diskutieren muss. Aufgrund der Verletzungssorgen der vergangenen Jahre sollen die Belastungen für den Körper des 2,26-m-Riesen in der kommenden Saison erheblich minimiert und besser überwacht werden. Dies wird neben einer Reduzierung der Spielzeit vor allem auch einige Änderungen bei den Trainingsgewohnheiten bedürfen. Für ein Arbeitstier wie Yao, das man quasi aus der Halle prügeln muss, ist das natürlich eine recht schwierige Angelegenheit. Dennoch ist deren konsequente Umsetzung notwendig. Problematisch für eine merkliche Reduzierung der Spielzeit ist allerdings die Tatsache, dass die Rockets außer Yao derzeit keinen weiteren etatmäßigen Center im Team haben.

Um dem Chinesen trotzdem die geplanten Pausen zu verschaffen, werden die Rockets auch in dieser Saison vermehrt auf kleinere Aufstellungen setzen. Nomineller erster Backup bleibt weiterhin Luis Scola, der einfach vom PF-Spot auf die Fünf wechselt sobald Yao seine erste Pause bekommt. Man kann davon ausgehen, dass der Argentinier durchaus seine 10 - 15 Minuten als Center eingesetzt werden wird. Offensiv stellt dies überhaupt kein Problem dar, denn der 28-Jährige ist einer der versiertesten Spieler im Low-Post. In der Defensive hingegen kann Scola zumindest gegen echte Center eher schwer bestehen. Hier wartet Einsatzzeit für Chuck Hayes und Joey Dorsey.

Auf den ersten Blick scheint die Backup-Position auf der Fünf eine echte Schwäche für die Rockets zu sein. Da Coach Adelman aber stark damit liebäugelt, in dieser Saison Shane Battier bzw. Ron Artest in kleinen Line-ups gelegentlich auch als Power Forward auflaufen zu lassen sieht die Situation auf den zweiten Blick schon anders aus. Die Rockets haben analysiert, dass sie mit kleinen Aufstellungen und schnellerer Spielweise gegen viele Teams effizienter spielen können. Aus diesem Grund haben sie sich auch bewusst dafür entschieden, erstmal auf die Verpflichtung eines weiteren echten Centers zu verzichten. Ich persönlich bin sehr zuversichtlich, dass dieser Plan aufgeht und freue mich schon auf äußerst interessante Matchups. Im Zweifelsfall steht aber mit Dikembe Mutombo noch ein echter 7-Footer für eine Rückkehr zum Team zur Verfügung.

Ausblick auf die Saison 2008/09:

Mit der Verpflichtung von Ron Artest sind die Rockets auch im Auge der Massenmedien schlagartig in die Riege der ernsthaften Championship Contender aufgestiegen. Dementsprechend hoch sind nun natürlich auch die Erwartungen. Die Rockets wollen endlich Erfolg und sie wollen (bzw. brauchen) ihn jetzt! Die Chancen dafür stehen dank der Wundertaten von General Manager und Statistik-Guru Morey so gut wie lange nicht mehr. Morey hat in den letzten beiden Jahren seinem Star-Duo McGrady / Ming ordentliche Rollenspieler zur Seite gestellt, die in der Vergangenheit nicht vorhanden waren. Was bisher zusätzlich noch fehlte war eine weitere offensive Stütze. Mit Ron Artest scheint diese nun gefunden zu sein.

Die Rockets sind so talentiert und ausgeglichen besetzt wie noch nie in den letzten Jahren und haben in Rick Adelman einen sehr fähigen Head Coach. Die einzigen Dinge, die einer erfolgreichen Saison im Wege stehen könnten, sind erneute Verletzungsprobleme bzw. ein kapitaler Ausraster von Artest. Letzteres scheint in Anbetracht der Umstände äußerst unwahscheinlich zu sein, denn das Enfant Terrible der Liga befindet sich zum ersten Mal in seiner Karriere bei einem echten Winning Team, ist von charakterlich starken und vorbildlichen Mitspielern umgeben, spielt für einen Coach den er mag und befindet sich im letzten Jahr seines Vertrages. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Ron-Ron in dieser Situation ausrasten könnte. Es spricht einfach zuviel dagegen.

Wenn man also mal davon ausgeht, dass Artest sich vorbildlich verhalten wird, bleiben einzig die potenziellen Verletzungsprobleme, die den Rockets-Fans Sorgen bereiten könnten. Aber auch hier wird sich der Artest-Trade positiv auswirken, sorgt er doch dafür, dass weniger Last auf den Schultern von Ming und McGrady liegen wird. Das bedeutet, dass sich beide während der regulären Saison besser schonen können. Auch potenzielle Verletzungen werden während der Saison besser auskuriert werden können, da weit weniger Gefahr besteht, dass jedes verpasste Spiel von Yao oder T-Mac eine gute Playoff-Platzierung kosten wird.

In der letzten Saison konnten die Rockets eine Bilanz von 55 Siegen bei 27 Niederlagen vorweisen. Diese Leistung dürfte das Minimalziel für die Saison 2008/09 darstellen. Im Normalfall dürften die Texaner sogar ernsthaft die 60-Siege-Marke anpeilen. Viele werden nun zwar der Meinung sein, dass die Rockets in der letzten Saison Overachiever waren und die 22-Siege-Serie die Bilanz künstlich nach oben trieb. Hier gilt jedoch auch zu bedenken, dass sie mit nur 15 Siegen aus den ersten 32 Spielen in die Saison gestartet waren und später ziemlich viele Spiele ohne ihren besten Front-Court-Spieler auskommen mussten. Des Weiteren hat das Team bis auf Bobby Jackson und (vorerst) Dikembe Mutombo keine signifikanten Abgänge zu verzeichnen. Im Gegenteil, das erfolgreiche Team aus der letzten Saison wurde durch Brent Barry und Ron Artest sogar nochmals gezielt verstärkt.

Am Ende wird die Anzahl der Siege in der Regular Season allerdings ohne Bedeutung sein, wenn der Erfolg in den Playoffs ausbleiben sollte. Doch wie bereits erwähnt, die Chancen auf Erfolg in der Postseason stehen so gut wie seit 10 Jahren nicht mehr. Die Top-Teams aus der Western Conference werden es jedenfalls tunlichst vermeiden wollen, in der ersten Playoff-Runde auf die Rockets zu treffen. Und bis dahin können die Raketen nach meinem Geschmack auch erstmal schön unter dem Radar der Massenmedien cruisen.

Weitere Season Previews:

Ball Don’t Lie

Dime Mag

Basketball Blogs

ESPN

Sports Illustrated

Dieser Beitrag wurde am Samstag, 25. Oktober 2008 um 00:35 Uhr in der Kategorie Houston Rockets veröffentlicht und bereits 3,451 x gelesen. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

Bewerte diesen Artikel: 5 Stars2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (6 votes, average: 4.33 out of 5)
Loading ... Loading ...

Artikel, die Sie auch interessieren könnten:

2 Kommentare »

  1. toll, wirklich super bericht :)

    Kommentar: sephiz – 26. Oktober 2008 @ 19:11

  2. Genial!

    Kommentar: BigBlue – 26. Oktober 2008 @ 21:08

Einen Kommentar hinterlassen

 
Impressum