Reality Check: Ron Artest

Der Neu-Houston-Rocket Ron Artest ist zweifellos einer der umstrittensten Charaktere der ansonsten heilen NBA-Welt. Rap-Album hier, Prügelei mit den Fans dort, am 28-Jährigen Small Forward gibt es immer viel zu kritisieren. Manches davon zu Recht, eine Menge jedoch auch zu Unrecht. Hier nun mein Reality Check.

Einigkeit herrscht wohl darüber, dass Ron Artest ein Querdenker und Individualist ist. Genau so wenig kann man abstreiten, dass er zuweilen doch ziemlich durchgedreht, ja fast schon verrückt rüberkommt. Der Mensch Ron Artest ist ein ungewöhnlicher. Nur wenige kennen ihn richtig, wissen was in seinem Kopf vor sich geht. Ich bin Realist und weiß, dass ich natürlich nicht dazu gehöre. Aus diesem Grund und weil er sich bei den Houston Rockets bisher nur als höfliches und arbeitswütiges Neumitglied präsentiert hat, soll es hier nur um den Basketballspieler Ron Artest gehen.

Was also sagen die Kritiker?

Kritiker: Ron Artest ist ein verrückter Egozentriker und wird auch bei den Rockets ausrasten und die Teamchemie zerstören!

Realität: Die Chancen stehen gut, dass Artest nicht ausrastet. Und selbst wenn, er würde die Teamchemie der Rockets damit nicht zerstören. Artest kann es sich als kommender Free Agent einfach nicht leisten, in dieser Saison negativ aufzufallen. Zuviel steht für ihn auf dem Spiel. Wenn er sich dagegen wie ein Musterschüler benimmt und in erster Linie durch gute Leistungen ins Gespräch kommt, hat er eine hoch dotierte Vertragsverlängerung bei den Rockets oder aber einen dicken Free-Agent-Vertrag eines anderen Teams praktisch sicher. Und bei aller Liebe für das Spiel, darum (das Geld) geht es letztendlich fast allen NBA-Spielern. Des weiteren muss man einfach auch mal sehen, in welch einem Umfeld sich Artest bei den Rockets befindet und welche Auswirkungen das auf ihn hat. Die Rockets waren auch ohne ihn ein sicheres Playoff-Team und der Roster besteht aus einer Kombination aus harten und ehrlichen Arbeitern und Stars mit gutem Charakter und besten Manieren. Es ist einfach völlig unrealistisch davon auszugehen, dass Artest in diesem Umfeld dazu animiert wird, auszurasten. Noch unrealistischer ist es jedoch zu glauben, dass der 28-Jährige Spieler wie Shane Battier, Yao Ming, Tracy McGrady, Luis Scola, Brent Barry, Dikembe Mutombo oder Chuck Hayes dazu bewegt, ihren Charakter grundlegend zu ändern und sich gegenseitig anzugiften. Ron Artest wird also weder ausrasten, noch wird er die Teamchemie zerstören.

Kritiker: Ron Artest ist ein Ball-Stopper und wird die Offense der Rockets negativ beeinflussen!

Realität: Es ist zweifellos nicht zu bestreiten, dass Ron Artest seine größten Stärken im 1-on-1 hat. Ebenso ist klar, dass es nur eine bestimmte Anzahl an Würfen gibt, die es unter den Superstars Yao Ming und Tracy McGrady und dem Rest des Teams zu verteilen gibt. Dennoch wird der Small Forward die Offense von Head Coach Rick Adelman nicht zum erliegen bringen. Artest kennt Adelmans offensives System und Coach Adelman weiß, was Ron Artest ihm bieten kann. Beide Seiten passen sehr gut zusammen und haben das bereits in der Vergangenheit in Sacramento bei den Kings bewiesen. Zusätzlich ist sich Artest im Klaren, dass die Rockets Yaos und T-Macs Team sind. Dass er bereit ist, sich ihnen unterzuordnen, hat er direkt bei seiner Ankunft erklärt. Fakt ist aber auch, dass man Artests größte Stärken nicht gut nutzt, wenn man ihn lediglich als Rollenspieler Yao und T-Mac zur Seite stellt. Aus diesem Grund hat Coach Adelman die Rolle des sechsten Mannes von der Bank für das Defensivass angedacht. So können die Rockets auf die bewährte und eingespielte Startformation aufbauen und gleichzeitig bekommt Artest von der Bank aus die Möglichkeit, die Offensive der Reservisten anzuführen. Das ist für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. Natürlich heißt das aber nicht, dass die Rockets in den entscheidenden Phasen nicht doch mit dem Trio Artest-McGrady-Ming auflaufen.

Kritiker: Ron Artest ist ein verletzungsanfälliger Spieler und bringt die ohnehin anfälligen Rockets damit nicht weiter!

Realität: Auch hier kann man nicht bestreiten, dass Ron-Ron kein verletzungsanfälliger Spieler wäre, ganz im Gegenteil. Wer immer 100 % gibt und so physisch spielt wie Artest, der wird zwangsläufig mit Verletzungen konfrontiert. Dennoch sollte die Verpflichtung des ehemaligen Sacramento King einen ungeheuer großen positiven Effekt für die Rockets bringen. Klar, es ist unrealistisch anzunehmen, dass die Big Three der Rockets jeweils mehr als 70 Spiele absolvieren werden, aber der positive Effekt ist allein schon dadurch gegeben, dass die offensive Last auf mehr Schultern verteilt wird. Ein Yao Ming muss keine 37 MPG mehr auflaufen, nur damit die Rockets offensiv konkurrenzfähig bleiben. Ein Tracy McGrady muss im Halbfeld nicht mehr die gesamte Offensive kreieren. Kann man etwa Yaos Minutenschnitt dank der ausgeglicheneren Offensive um 3 - 4 Minuten drücken, indem man ihm in weniger kritischen Phasen mehr Pausen gibt, kann man auf 10 Spiele gerechnet schon gut und gerne ein komplett gespieltes Spiel einsparen. Dasselbe trifft auf Tracy McGrady zu. Er war der Initiator der Offense im Halbfeld und musste ordentlich ackern, damit seine Mitspieler - größtenteils Rollenspieler - zu ihren freien Würfen kamen. Nun ist Ron Artest da und kann T-Mac sicher die ein oder andere Pause verschaffen, so dass auch sein Minutenschnitt reduziert werden kann. Außerdem sind die Rockets nun weniger auf die Anwesenheit von McGrady angewiesen und werden auch gänzlich ohne ihren wertvollsten Spieler das eine oder andere Spiel mehr als in der Vergangenheit gewinnen können. Dadurch lastet weniger Druck auf McGrady, der so kleinere Verletzungen, von denen es in der letzten Saison zu viele gab, besser auskurieren kann. Obwohl Ron Artest also selbst ebenfalls kein Ironman ist, wird er die Verletzungs- und Ermüdungssorgen der Rockets dennoch reduzieren können.

Kritiker: Ron Artest ist im letzten Vertragsjahr und wird die Rockets nach der Saison sowieso verlassen!

Realität: Artest ist im letzten Vertragsjahr und auf beidseitigem Wunsch wurden Verhandlungen bezüglich einer Vertragsverlängerung bei den Rockets auf die kommende Offseason verschoben. Damit könnten die Skeptiker theoretisch Recht haben und die neue #96 der Rockets könnte die Franchise nach der kommenden Saison tatsächlich ohne Gegenleistung verlassen. In der Realität gibt es aber zwei Szenarios: 1. Artest und die Rockets passen nicht zusammen und die aktuelle Saison geht in die Hose. 2. Alles läuft glatt und Ron-Ron empfiehlt sich für eine dicke Vertragsverlängerung. Man sieht schon auf den ersten Blick, dass die Rockets in dieser Situation eher profitieren als verlieren. Tritt nämlich Szenario 1 ein, hätten die Rockets ohnehin kein Interesse daran, Artest für viel Kohle weiter zu verpflichten. In dem Fall wäre ein Wechsel Artests zu einem anderen Team nicht die schlechteste Lösung. Tritt jedoch das zweite Szenario ein, ist der Small Forward garantiert ein gefragter Mann auf dem Free-Agent-Markt. Doch auch das ist kein Problem für die Rockets. Da man die Bird Rights an Artest besitzt, wird man in der Lage sein, ihm einen so hoch dotierten Vertrag anzubieten, wie kein anderes Team. Und warum sollte Ron-Ron dann auch wechseln? Erfolg und Geld stünden auf der Seite der Rockets.

Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 02. Oktober 2008 um 18:39 Uhr in der Kategorie Houston Rockets veröffentlicht und bereits 459 x gelesen. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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